Alte Liebe rostet nicht, behauptet der Volksmund. Wenn dem so ist, und danach sah es am Sonntag im Stadtwald flächendeckend aus, dürfen sich alle, die es mit Eintracht Frankfurt halten, auf einen an vielen Stellen aufgepeppten Traditionsverein freuen. Die Stadionkapazität wird die 60.000er-Schallmauer brechen, verbundene Partner wie die Frankfurter Sparkasse sind geblieben, neue wie Condor dazu gekommen, Adi Hütter hier geht in seine zweite Amtszeit als Eintracht-Cheftrainer, Niko Arnautis dort leitet seit nun zehn Jahren die Frankfurter Profifrauen an. Ein beliebiger Querschnitt der Eintracht-Welt, der am 9. August in sechs Stunden seinen Schmelztiegel erreicht hat.
Lange, bevor das Hauptprogramm des ausverkauften Familientags im Innenraum des Deutsche Bank Park begonnen hat, säumten bei bis zu 34 Grad Celsius Erwachsene und Kinder das Stadiongelände, ließen es sich bei einem Happen Hessenburger oder einer kalten Pepsi gutgehen, tobten auf der Hüpfburg, informierten sich über aktuelle Angebote für Vereinsmitglieder, hangelten sich durch den Kletterwald, probierten neue Breitensportarten aus oder machten sich mit dem noch recht neuen Naturlehrpfad vertraut. Ein Schnappschuss im Museum mit Europa- und DFB-Pokal gehörte fast zum guten Ton.
Wie sehr nicht nur Besucherinnen und Besucher, sondern auch die handelnden Personen in Verein und Fußball AG den Sinn für ihre Klubkultur leben, symbolisierte die Vorstandsriege mit Axel Hellmann, Markus Krösche, Philipp Reschke und Julien Zamberk auf der Bühne. Jeder hatte sich das weiße Auswärtstrikot übergestreift, jeder seine persönliche Eintracht-Legende auf dem Rücken geflockt. Hellmann wählte Bruno Pezzey, Krösche Karl-Heinz Körbel, Reschke Ronny Borchers, Zamberk Bernd Hölzenbein.
Jürgen Grabowski fehlte, dafür war die ihm zu Ehren umbenannte ehemalige Gegentribüne bis auf den letzten Platz gefüllt. Jeder aus dem Quartett widmete sich einem seiner originären Schwerpunkte. Wie passend, dass die Sportakrobatinnen der Eintracht ihre artistischen Einlagen zu den Klängen von The Weeknd zum Besten gaben; der Popsänger aus Kanada trug zu einem von 17 Konzerten im Stadionsommer bei. „Über 750.000 Besucher, eine kleine Bundesligasaison innerhalb von zweieinhalb Monaten. Wir gehören zur europäischen Spitze, der Deutsche Bank Park ist ein ganz besonderes Stadion im Herzen von Europa“, unterstrich Finanzvorstand Zamberk.
Reschke schwärmte vom schon jetzt rekordverdächtig gefragten Auswärtsdress: „Ich dachte, in einem bestimmten Alter hole ich mir kein Trikot mehr …“ Klassischer Fall von Denkste. Einfach, weil „das gemeinsam mit adidas in jeder Hinsicht ein echtes Brett“, sei, so Reschke, der darüber hinaus die gewachsene Kapazität des Deutsche Bank Park auf 60.100 verkündete.
Eine Dimension, die gerade die Frankfurter Fußballer wieder mit Leben füllen sollen und wollen. „Unser größtes Ziel ist, einen ganz anderen, einen deutlich offensiveren und intensiveren Fußball zu zeigen, dafür ist Adi Hütter genau der richtige Trainer“, untermauerte Krösche.
Wir müssen es wieder hinbekommen, dass das Stadion aus dem Sattel geht, wenn wir Fußball spielen.
Vorstandssprecher Axel Hellmann
Hellmann verlangte ebenso: „Wir müssen es wieder hinbekommen, dass das Stadion aus dem Sattel geht, wenn wir Fußball spielen. Das Zusammenspiel zwischen Rängen und Platz, Platz und Rängen ist mir wichtig.“ Die Abschlussworte des Vorstandssprechers klangen so simpel wie unmissverständlich: „Lasst uns Gas geben in der neuen Saison, damit wir wieder Großes Erreichen können!“
Ein kleiner Anfang ist gemacht, sowohl die Männer gegen Hull City als auch die Frauen in der vorletzten Qualifikationsrunde um den Einzug in die UEFA Women’s Champions League gegen Malmö FF sind mit einem 2:0 im Rücken zur offiziellen Präsentation erschienen und waren entsprechend optimistisch gestimmt. Das ließen die Trainer Arnautis und Hütter genauso durchblicken wie die Spielführenden Laura Freigang und Robin Koch, die wie alle Spielerinnen und Spielern mit Junior Adlern an der Hand eingelaufen waren.
„Wahnsinn, ein Kindheitstraum. Einfach eine Herzensangelegenheit“, bekundete Niko Arnautis, als ihn Stadionsprecher Daniel Wolf auf seine zehnjährige Amtszeit als Chefcoach von Eintracht Frankfurt respektive des FFC Frankfurt ansprach. Und obwohl Adi Hütter fünf Jahre nicht den Adler auf der Brust getragen hat, „fühlt es sich nach einem Monat so an, als wäre ich nie weggewesen“, gab der Österreicher Einblicke in seine Gefühlwelt und wandte sich direkt an die Fans: „Danke für diesen Empfang!“
Natürlich war die gegenseitige Zuneigung keine Einbahnstraße, entsprechend nahmen sich die Profis hinterher Zeit für Autogrammwünsche, die Schlangen vor den Zelten waren länger als während mancher Halbzeitpause vor der Adlerküche.
Der Volksmund hat 85 Tage nach dem letzten Heimspiel Recht behalten. Forza SGE!








