23.12.2020
Verein

Zusammen zuversichtlich

Die vierte Adventswoche steht bei Eintracht Frankfurt im Zeichen der Zuversicht. Ein Gastbeitrag der freien Journalistin und Eintracht-Fan Solveig Haas.

Foto: Yana Korn

Liebe Eintracht-Familie,

als am 19. Februar 2020 in Hanau der schreckliche rassistische Anschlag geschah, kaufte ich ein Ticket fürs UEFA Europa League-Spiel der Eintracht gegen RB Salzburg am Tag darauf. Eigentlich war es zu teuer, eigentlich war es mir im Februar zu kalt fürs Stadion. Aber ich wusste, es würde helfen. Und es half.

Als ich während der Schweigeminute an meinem Platz stand, mit eiskalten Händen und Tränen in den Augen, als nach dem störenden Zwischenruf das ganze Stadion minutenlang „Nazis raus!“ skandierte, da war sie da: Die Zuversicht, dass nicht alles schrecklich ist.

Dieses Stadion voller Menschen machte greifbar, wie sehr die Werte der Eintracht ihre Fans einen. Dass es am Ende egal ist, ob man steht oder sitzt, ob man meckert oder lobt, ob man seit Jahrzehnten die Dauerkarte besitzt oder seit drei Wochen sein Einzelticket kauft: Wir sind Eintracht und es gibt Dinge, die werden nicht diskutiert. Weil wir eine bessere Zukunft für unser Zusammenleben und den Fußball wollen und sie zusammen schaffen. DAS ist Zuversicht.

Zuversicht ist nicht strahlender Optimismus, der immer an einen idealen Ausgang glaubt. Zuversicht ist das Wissen, dass wir einen Verein mit Werten haben, der auch in der Krise sinnvolle Dinge tut.

Solveig Haas

Wir wissen nicht, ob alles gut wird. Nicht in der Welt und nicht im Sport. Aber Zuversicht bedeutet, wir können mit der Situation umgehen, auch WENN es nicht gleich gut wird. Während der Pandemie zeigt die SGE mit ihren Spieler*innen und ihren Fans genau das. Es wird gespendet, geholfen und nicht zuletzt auch gespielt. Das ist nicht immer schön. Die Spiele ohne Zuschauer zum Beispiel, die kann kein Fan und auch kein*e Spieler*in wirklich wollen. Aber Zuversicht hat eben immer auch einen Mollklang. Sie hat immer ein „Trotzdem“, immer einen Aspekt, der große innere Stärke erfordert. Von dem Fan, dem ein Fixpunkt in seinem Leben fehlt, wenn der regelmäßige Stadiongang und das Zusammensein mit lieben Menschen weg fällt. Von den Angestellten, die nicht wissen, wie es weitergeht. Von den vielen Sportler*innen im Breitensport, die weder spielen noch trainieren dürfen. Und von den Spieler*innen, die in dieser beängstigenden Zeit spielen sollen. Die sich isolieren müssen, vielleicht von der Familie getrennt sind, Angst vor gesundheitlichen Spätfolgen haben und trotz aller mentaler Belastung Höchstleistungen bringen sollen.

Zuversicht ist nicht strahlender Optimismus, der immer an einen idealen Ausgang glaubt. Zuversicht ist nicht „Die Eintracht holt nächste Saison das Triple, ist doch klar!“ Auch wenn das natürlich großartig wäre, auch klar! Zuversicht ist das Wissen, dass wir einen Verein mit Werten haben, der auch in der Krise sinnvolle Dinge tut. Bei dem guter Fußball zwar das Sahnehäubchen ist, aber dessen wahre Essenz aus anderen Elementen besteht. Aus einer Fangemeinschaft zum Beispiel, die bei Auswärtsfahrten selbst gegnerische Fans beeindruckt. Aus einer Nordwestkurve, die Spieler anderer Mannschaften dazu verleitet zu sagen: „Gegen die zu spielen, ist ätzend!“ und die die eigenen Spieler schmerzlich vermissen, wenn sie fehlt. Aus Spieler*innen, die unbedingt zur SGE (zurück) wollen. Aus einem Präsidium, das sich klar positioniert und laut gegen Unrecht wird. Aus „Ein Verein gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie“-Stickern, mit denen inzwischen auf der ganzen Welt rechte Parolen überklebt werden. Eintracht Frankfurt ist ein Verein, der für weit mehr steht als nur Fußball und das weit über Frankfurt hinaus.

Die Eintracht ist für viele von uns treue Begleiterin, Fixpunkt, Motivation. Für manche ist der Stadiongang unverzichtbar, für manche eine nette Abwechslung und für manche schlicht nicht möglich. Aber uns alle, Fans wie Sportler*innen, eint die Liebe zu ihr, zu unserer Eintracht. Und aus Liebe, die Fehler und Schwierigkeiten überwindet, kommt Zuversicht. Auch in schweren Zeiten.

Eure Solveig Haas
Freie Journalistin und Eintracht-Fan

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