16.09.2020
Soziales

Vom Stadion ins Wohnzimmer

Corona hat jeden Lebensbereich auf den Kopf gestellt. Auch die Sehbehindertenreporter der Eintracht müssen sich umstellen.

Unter den regelmäßigen Stadiongängern befinden sich auch einige Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Hierfür gibt es im Stadion eigens eine Sehbehindertenreportage, welche in weiten Teilen des Stadions empfangbar ist. Um auch diesen Fans einen uneingeschränkten Zugang zu den Spielen ohne Zuschauer ermöglichen zu können, haben eine Reporterin und ein Reporter die Spiele der Eintracht aus ihren Wohnzimmern heraus reportiert.

Hierum geht‘s

Der Unterschied der „Sehbehindertenreportage“ zum Radio oder Fernsehen besteht darin, dass die Reporter immer „auf Ballhöhe“ sind und die Spielzüge sowie die taktischen Besonderheiten sehr genau schildern. Der Fokus liegt auf der Informationsvermittlung und weniger auf Entertainment. Wichtig ist hierbei, dass man in einer hohen Qualität der Details und der Verortung das Spielgeschehen beschreibt. Hierbei wird jedoch nicht nur das Spielgeschehen auf dem Platz reportiert, auch Geschehnisse und Reaktionen im Stadion sind Teil der Sehbehindertenreportage. Letztlich soll die Sehbehindertenreportage den seheingeschränkten und blinden Fans ermöglichen, als Fans der Eintracht ganzheitlich am Geschehen im Stadion teilhaben zu können.

Wie hierbei die Sehbehindertenreportage zu Coronazeiten abläuft, hat Sehbehindertenreporterin Nadine Merten beantwortet.

Nadine, wie läuft eine Reportage im Fernsehen ab und was waren die technischen Herausforderungen dabei?
Bei der Reportage am Fernseher sind, wie bei der Reportage im Stadion, jeweils drei Reporter im Einsatz. Zwei der drei Reporter wechseln sich beim Reportieren der Spiele ab, einer übernimmt die technische Begleitung. Er überwacht und steuert beispielsweise die Übergabe beim Reportieren und schaltet bei einem Wechsel die entsprechenden Mikrofone im System an oder aus und nimmt die Reportage auf. Da alle Corona-konform aus dem eigenen Wohnzimmer heraus reportiert haben, war eine weitere Herausforderung, dass nicht jeder das gleiche Signal bei der Fernsehübertragung empfangen hat. Entsprechend mussten wir uns aufeinander abstimmen und versuchen, Verzögerungen bei der Übertragung bestmöglich auszumerzen oder auszugleichen.

Was ist der größte Unterschied zur Reportage im Stadion?
Bei der Reportage vor dem Fernseher waren wir, anders als im Stadion, komplett auf das Bild der Regie angewiesen. Im Stadion können wir selbst entscheiden, auf was wir den Fokus legen, also beispielsweise auch Geschehnisse im Stadion rund um das Spiel. Bei einem Foul oder einem Tor mussten wir beispielsweise die Wiederholungen reportieren und konnten nicht auf die Reaktionen und die Emotionen der Spieler eingehen, wie wir es im Stadion machen würden. Gerade bei Spielen mit einer hohen Medienpräsenz wurde das Fernsehbild häufig auf die Tribünen auf den Vorstand oder die Funktionäre gelenkt, anstatt beim Spielgeschehen auf dem Rasen zu bleiben. Die Spiele ohne Zuschauer und die dadurch fehlenden Emotionen waren ein weiteres Hindernis. Natürlich freut man sich auch bei diesen Partien über ein Tor, aber doch anders als im Stadion, wo man zusammen feiert und die Emotionen überspringen.

Wie habt ihr euch auf diese besondere Situation, plötzlich von zu Hause vor dem Fernseher reportieren zu müssen, vorbereitet?
Im Vorfeld gab es hierzu Onlineschulungen von der DFL [Deutsche Fußball Liga; Anm. d. Red.], die uns auf gewisse Aktionen und Besonderheiten im Rahmen der Reportage vor dem Fernseher sensibilisiert hat. Zudem gab es eine Videokonferenz mit den Reporterinnen und Reportern der Vereine der Region Südwest. Hierbei wurde ein vereinsübergreifender Ist-Stand ermittelt, sich gegenseitig ausgetauscht und gemeinsam Ideen für diese neue Situation entwickelt. Wir haben uns zudem Aufnahmen verschiedenster alter Spiele herausgesucht und diese zur Vorbereitung gemeinsam per Telefon durchreportiert. Hierbei konnten wir uns einspielen, Besonderheiten absprechen und beispielsweise gemeinsam festlegen, was wir erzählen, wenn der Trainer zum fünften Mal eingeblendet wird, ohne dass eine Handlung zu erkennen ist. Eben all die Besonderheiten, die man so im Stadion nicht hat.

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