24.01.2021
Verein

Vereinsliebe über sieben Jahrzehnte

Vor 72 Jahren wurde Manfred Leunig Vereinsmitglied, heute verfolgt er aus der Schweiz immer noch jedes Spiel und hat die Liebe zur Eintracht längst an seine Enkel weitergegeben.

Bereits seit rund 50 Jahren ist Wollerau in der Schweiz das zu Hause von Manfred Leunig (3.v.l.).

Vor genau 72 Jahren, am 24. Januar 1949, fasste Manfred Leunig einen Entschluss: Der damals 11-jährige Junge wollte Mitglied bei Eintracht Frankfurt werden. „Also bin ich in die damalige Geschäftsstelle marschiert, die zu der Zeit noch aus einer einzigen Person bestand, und habe mich angemeldet“, erinnert sich der heute 83-Jährige zurück. Bekommen habe er daraufhin nicht nur ein Märkchen, das er stolz in seinen Mitgliedsausweis einkleben konnte, sondern auch den Segen seiner Eltern. Denn dass Manfred Leunig Teil der Eintracht-Familie werden würde, war definitiv kein Zufall. „Es ist im Grunde eine einfache Geschichte: Mein Großvater und mein Vater waren beide Eintrachtler, da habe ich das von Anfang an mit auf den Weg bekommen“, erzählt er. Sein Großvater August Leunig, bekannt als „Papa“ Leunig, war sogar bereits seit der Gründung 1899 im Verein, Manfred Leunigs Vater Paul war ebenfalls großer Eintrachtler und vor allem als Leichtathlet und Rugby-Spieler aktiv. Den damals 11-jährigen Manfred Leunig zog es hingegen zu den Fußballern.

Leichtathletik, Fußball, Tennisabteilung

„Mein Vater war streng und hat gesagt, ich müsse erst Leichtathletik trainieren. Zum letzten C-Jugendjahr durfte ich aber dann zum Fußball“, berichtet Leunig. Dort spielte er bis zur B1-Jugend, gibt heute allerdings zu: „Die Begeisterung war da, aber mein Talent war überschaubar. Ich habe unter anderem mit dem späteren Bundesligaspieler Dieter Lindner zusammengespielt, da habe ich schnell gesehen, dass ich nicht mithalten kann.“ Trotzdem habe er die Zeit immer genossen, denn die Eintracht sei schon damals mehr als ein Sportverein für ihn gewesen. „Wir hatten eine tolle Kameradschaft, wenn wir gemeinsam auf dem Platz standen. Aber auch nach dem Spiel gab es den ein oder anderen schönen Umtrunk“, erinnert sich der 83-Jährige. Als Student wechselte Leunig dann in die Tennisabteilung und war dort innerhalb des Abteilungsvorstandes mehrere Jahre für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, verfasste Spielberichte und initiierte die Abteilungszeitschrift „Grundlinie“. Das größte Geschenk aus der Zeit, erzählt er, sei für ihn aber seine Frau Johanna, die er in der Tennisabteilung kennenlernte.

Mit den von Manfred Leunig zugeschickten Fanartikeln besuchten dessen Enkelkinder das Trainingslager der Profis 2017 in San José.

Auf dem Laufenden dank Pressespiegel

Mit ihr zusammen kehrte er 1971 aus beruflichen Gründen Frankfurt den Rücken zu und zog in die Schweiz, wo die beiden seitdem in Wollerau am Zürichsee leben. Der Verbindung zur Eintracht konnte die räumliche Distanz aber keinerlei Abbruch tun – auch wenn das zu Beginn gar nicht so einfach war. „Damals gab es noch kein Internet oder Pay-TV. Deshalb hat mein Vater in Frankfurt alle Zeitungsartikel über die Eintracht ausgeschnitten und mir alle zwei Wochen in einem Päckchen geschickt. So wusste ich über alles Bescheid – wenn auch etwas verspätet“, erzählt der Exil-Adler, der sich Anfang der 2000er als Pensionär noch einmal an ein besonderes Projekt wagte.

Grund dafür war ein Anruf von Matthias Thoma, Leiter des Eintracht Museums, der von Feldpostbriefen gehört hatte, die Leunigs Vater während des Zweiten Weltkrieges von den Rugbykameraden an der Front erhalten und angereichert mit Nachrichten aus Frankfurt an die Kameraden zurückgeschickt hatte. „Ich hatte mich vorher nie wirklich mit den Dokumenten beschäftigt, dachte aber, dass ich mal rein lese, bevor ich sie ans Museum gebe“, so Leunig. Und tatsächlich wurde sein Interesse für die besonderen historischen Einblicke in das Vereinsleben zu Kriegszeiten so stark geweckt, dass er sich dazu entschied, die 850 eng beschriebenen DIN-A4-Seiten zusammenzufassen und anderen Interessierten dieselben Einblicke in die Vereinsgeschichte zu gewähren. Herausgekommen ist ein rund 70-seitiges Buch mit dem Titel „Die Ruggers der Eintracht: Front und Frankfurt im Spiegel der Feldpost 1939-1946“, das zusätzlich zu den dort ausliegenden Originaldokumenten sogar im Eintracht Museum verkauft wurde.

Ich versuche, mich gleichmütig zu geben. Aber meine Frau sagt, sie müsse mich nur anschauen, um zu wissen, wie das Spiel ausgegangen ist.

Manfred Leunig

Eintracht-Gen auf Enkelkinder übertragen

Nun, mehr als sieben Jahrzehnte nach der Unterzeichnung der Anmeldung in der Geschäftsstelle, konzentriert sich Manfred Leunig hauptsächlich aufs Fansein, wobei die Begeisterung für den Fußball in 72 Jahren nicht kleiner geworden ist. „Ich versuche, mich gleichmütig zu geben, aber meine Frau sagt, sie müsse mich nur anschauen, um zu wissen, wie das Spiel ausgegangen ist“, erzählt er lachend. Ein bis zwei Mal pro Jahr sei er außerdem in Frankfurt und versuche den Besuch immer mit einem Stadionbesuch zu verbinden. „Durch Corona wurde das leider etwas auf den Kopf gestellt, aber glücklicherweise bin ich ja nicht mehr auf den Pressespiegel angewiesen, sondern kann jedes Spiel im Internet schauen“, erzählt er augenzwinkernd. Da er in der Schweiz kaum Eintracht-Fans kenne, schaue er die Spiele zwar meist allein, dafür habe sich die Liebe zur Eintracht mittlerweile auch auf die nächsten beiden Generationen in der Familie ausgebreitet. Seinen Enkeln in der Westschweiz und in den USA schicke er deshalb regelmäßig ein Paket mit Fanartikeln, das sicherlich auch von der Verbundenheit begleitet wird, die Manfred Leunig seit 72 Jahren zur Eintracht hat.

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