1983 lernten sich Ingrid Maurer und Ursula Gerhardt bei der Tennisabteilung von Eintracht Frankfurt kennen. Heute, über 40 Jahre später, sitzen sie gemeinsam auf ihrem alten Tennisplatz und reden über die Anfänge ihrer Freundschaft, was sie verbindet und welche Rolle Tennis dabei spielt.
Stellt euch doch gerne kurz einmal vor.
Ingrid: Ich heiße Ingrid Maurer, bin hier in Nied geboren, lebe hier und bin seit 50 Jahren im Sportverein.
Ulla: Ich heiße Ursula Gerhardt, werde immer Ulla genannt. Ich wohne auch seit 16 Jahren in Nied, bin 1980 aus Brasilien zurückgekommen nach vier Jahren und bin 1983 in den Tennisverein eingetreten.
Wie kamt ihr denn zum Tennis damals?
Ingrid: Tennis war damals Boom und ich war ja schon beim Vorgängerverein. Dann gab es für mich gar keine Alternative, für mich war das selbstverständlich, Bewegung in frischer Luft.
Ulla: Bei mir war es so, dass ich wie schon gesagt 1980 aus Brasilien kam und mein Vater, der hier wohnt, hat gesagt: Ach Ulla und Dirk, mein Mann, ihr habt doch in Brasilien Tennis gespielt, wollt ihr nicht wieder auch hier Tennis spielen? Er hatte einen Flyer im Briefkasten bekommen und dann habe ich gesagt, ja, das machen wir. Dann bin ich auch hier eingetreten.
Wie hat eure Freundschaft dann hier angefangen?
Ingrid: Ich muss sagen, dass ich eine Schwester hatte, die auch Mitglied hier im Verein und in der Tennisabteilung war, die dann nach zweijähriger Krebserkrankung mit 27 Jahren verstorben ist. Da hat mir der Verein und die Familie Gerhardt unheimlich viel gegeben. Da sind wir näher zusammengekommen.
Ulla: Ich habe ja im Ausland schon Tennis gespielt und wollte das weiterführen, dann war das hier die Gelegenheit gewesen. Wir wohnten vorher noch in Höchst und sind immer mit dem Fahrrad hergefahren und haben dann hier noch mal Fuß gefasst und auch im Training angefangen. Dabei habe ich dann auch sie hier kennengelernt und wir haben auch sehr viele Spiele zusammen gemacht.
Ingrid: Wir haben dann zusammen Trainerstunden genommen und im Winter in der Halle zusammen gespielt. Wir sind dann auch in der Turnabteilung zusammengekommen und das bis heute.
Wann genau habt ihr euch kennengelernt?
Ulla: 1983.
Ingrid: Im Sommer.
Wart ihr euch direkt sympathisch?
Ulla: Wir mussten uns erst mal ein bisschen beschnuppern. Ich war ja fremd, sie war schon im Verein gewesen.
Wir bestreiten unser Leben gemeinsam und helfen uns gegenseitig, wo es nur geht.
Ingrid Maurer
Wie beschreibt ihr eure Freundschaft?
Ingrid: Wir bestreiten unser Leben gemeinsam und helfen uns gegenseitig, wo es nur geht. Aber es gibt auch Meinungsverschiedenheiten.
Ulla: Natürlich, das muss ja auch so sein. Ich denke mal, das muss eine langjährige Freundschaft aushalten.
Ingrid: Dazu muss ich noch sagen, dass es auch andere langjährige Verbindungen aus dieser Zeit gibt, also wir haben auch eine Rommé Gruppe, die besteht aus Frauen der Turnabteilung.
Welche Rolle hatte Tennis in eurer Freundschaft?
Ingrid: Wir haben uns oft gesehen und oft getroffen. Und sind auch schon öfters zusammen in den Urlaub gefahren mit unseren Partnern.
Ulla: Ich wohne jetzt seit 16 Jahren vielleicht 200 Meter entfernt von ihr. So können wir uns immer austauschen oder auch treffen. Wir haben auch hier auf dem Platz viele Feste gefeiert.
Gibt es vielleicht ein gemeinsames Erlebnis, was euch verbunden hat?
Ulla: Bei mir ist das auch der Fall gewesen, dass mein Mann im Ausland in Brasilien verstorben war und da hat sie, da sie da beruflich viel Ahnung hat, mich sehr viel unterstützt und das habe ich ihr hoch angerechnet.
Uns verbindet irgendetwas, ein Band.
Ingrid Maurer
Was macht eure Freundschaft aus?
Ingrid: Ich sage Vertrauen sollte wichtig sein und Ehrlichkeit, auch wenn das manchmal ein bisschen schwerfällt. Wir haben uns aber irgendwie im Laufe der Zeit angepasst. Uns verbindet irgendetwas, ein Band.
Ulla: Wenn einer Sorgen hat, wird telefoniert und gefragt, kannst du mir mal helfen oder einfach nur zuhören? Und das bringt einem auch schon etwas. Man kann sich darauf verlassen, dass das nicht an andere weitergeht.
Welche Tipps habt ihr für gute und langjährige Freundschaften?
Ingrid: Mitglied in einem Verein werden. Wichtig ist auch, dass man nach der Turnstunde oder Tennisstunde noch einen trinken geht und sich einfach aufgehoben fühlt, wie das bei mir auch der Fall war. Ich war getragen in der Zeit, das ist ganz, ganz wichtig. Das findet man nur in einem Verein, wo man regelmäßig hingeht und offen ist, Leute kennenzulernen.
Was schätzt ihr denn besonders am anderen?
Ingrid: Jeder hat seine Vor- und Nachteile und zusammen ergänzt sich das gut. Aber wir feiern auch zusammen.
Ulla: Vertrauen würde ich sagen, dass man sich auf denjenigen verlassen kann, wenn man in Not ist, helfen wir uns immer gegenseitig. Wir schätzen uns gegenseitig.
Noch eine kleine Scherzfrage: Wer war denn die bessere Tennisspielerin von euch beiden?
Ulla: Du hast mehr Geschick gehabt beim Tennis und ich war, weil ich sehr viel Sport mache, im Rennen sehr gut und habe so meine Punkte geholt.
Ingrid: Ich war mehr der Taktiker und sie hat es umgesetzt.
Welche Rolle hat der Sport denn jetzt noch in eurem Leben?
Ingrid: Altersgemäß eine sehr wichtige Rolle. Wir haben auch zwei sehr gute Trainerinnen, die uns motivieren, aufbauen, fit halten und die Gruppe super führen, da kann man gar nicht wegbleiben.
Ulla: Das ist auch wichtig, wenn man mal hinfällt. Ich bin öfters mal hingefallen in diesem Jahr und habe festgestellt, dass ich mir nichts gebrochen habe. Da sagen immer alle, sei froh, dass du viel Sport machst, sonst wäre das vielleicht anders ausgegangen. Es ist manchmal ein bisschen anstrengend, aber es wirkt auch auf den Körper.
Was macht Eintracht Tennis für euch aus?
Ingrid: Leider können wir jetzt auch altersgemäß nicht mehr so viel spielen, wir haben ja auch leider keine Partnerinnen mehr. Wir treffen uns auch noch privat.
Ulla: Wir waren eine große Gruppe gewesen. Wir haben uns früher jeden Donnerstag von neun bis um zwölf getroffen, da hat jeder etwas zum Essen mitgebracht und wir haben uns hingesetzt und zusammen gefrühstückt. Das war unser Highlight am Donnerstag.
Was wollt ihr gerne noch loswerden?
Ingrid: Mir ist ein ganz wichtiges Anliegen, den jungen Leuten mitzugeben, dass sie in einen Verein gehen und, wenn möglich, dass Vereinsleben leben. Das gibt viel Halt und Struktur im Leben.
Ulla: Und die Eltern wissen genau, wo ihre Kinder sind, das ist auch ganz wichtig. Das sie nicht auf der Straße herumlungern und schlimme Sachen machen, hier sind sie gut aufgehoben.
Ingrid: Ich bin 76 und Ulla ist 74 und das hält im Leben gesund und fit. Das ist ganz, ganz wichtig und dazu ist es wichtig, dass man das nicht nur gelegentlich macht, sondern regelmäßig. Da hilft halt die Struktur eines Vereins. Ich finde den Verein Eintracht Frankfurt einfach super, weil ich jetzt erst merke, wie gut der Verein geführt wird.