27.04.2021
Klub

Slowenische Offensivpower

Lara Prasnikar und Martin Pecar teilen nicht nur die Liebe zum Fußball, sondern auch die Staatsbürgerschaft. Bei Eintracht Frankfurt haben sie ihre sportliche Heimat gefunden.

U19-Talent Martin Pečar wechselte im Sommer 2018 von Slowenien nach Deutschland, um seither in der Offensive der Nachwuchsteams von Eintracht Frankfurt für Unruhe zu sorgen. Diese stiftet auch Lara Prašnikar als gefürchtete Torjägerin in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga. Sie zog bereits zwei Jahre zuvor nach Deutschland – zunächst nach Potsdam, seit Sommer 2020 läuft sie ebenfalls mit dem Adler auf der Brust auf. Die EvM-Redaktion hat sich mit unseren Slowenen über ihre Heimat, ihre Anfänge und die Eintracht unterhalten.

Wie habt ihr beiden euch kennengelernt?

Lara: Wir haben uns durch die Eintracht kennengelernt. Als ich im vergangenen Sommer nach Frankfurt kam, hat Martin mir über Instagram gratuliert. Wir Slowenen sind sehr offene Menschen. Wir sind ein sehr kleines Land und somit trifft man im gleichen Verein nur selten Fußballerinnen und Fußballer aus Slowenien. Da ist es schon etwas Besonderes und man freut sich, jemand aus der Heimat zu begegnen. Mittlerweile sind wir gute Freunde geworden.

Martin: Ich habe Lara vorher schon einige Male im Fernsehen gesehen, gerade in Slowenien ist ihr Name sehr bekannt. Ich kannte Lara zwar nicht persönlich, aber habe sie trotzdem einfach mal angeschrieben, als sie nach Frankfurt gewechselt ist.

Wie war es für euch, in jungen Jahren nach Deutschland zu kommen – in ein für euch bis dahin fremdes Land?

Lara: Ich war 17 Jahre alt und bin alleine nach Potsdam gekommen. Ich habe mir dort mit einer Mitspielerin im Fußballinternat ein Zimmer geteilt, das hat mir sehr gutgetan. Ich hatte Glück, dass sie aus der Schweiz kam und deshalb immer Deutsch mit mir gesprochen hat. So habe ich die Sprache sehr schnell gelernt und hatte es leichter, Freunde zu finden.

Martin: Ich war damals 16 und bin mit meiner Mutter nach Deutschland gezogen, während mein Vater mit meinem kleinen Bruder in Slowenien geblieben ist. Das hat mir geholfen, mich einzugewöhnen. Ich habe zwar in Slowenien bereits ein Jahr in einem Internat gelebt, aber ein neues Land ist nochmal etwas anderes. Vor etwa einem halben Jahr ist meine Mutter zurück zu meiner Familie gegangen, seither lebe ich nun alleine und sie kommt nur noch zu Besuch.

Mit vier Jahren fing Martin an, in seiner Heimatstadt Izola im Verein Fußball zu spielen. Sein Vater war sein erster Trainer. Schon damals kickte er meist gegen ältere Jungs. Als die Eintracht im Sommer 2018 von NK Olimpija Ljubljana das slowenische Offensivtalent verpflichtete, absolvierte der damals 16-Jährige bereits Spiele für die U19 von Ljubljana.

Was waren die größten Unterschiede zu Slowenien, als ihr nach Deutschland kamt?

Martin: Die Mentalität war für mich am Anfang schwierig. Im Balkan ist alles viel langsamer und gechillter. Hier gibt es klarere Regeln, es wird zum Beispiel sehr auf Pünktlichkeit geachtet.

Lara: Daran musste ich mich auch erst gewöhnen. Wir haben in der Mannschaft einen Strafenkatalog, in dem man unter anderem fürs Zuspätkommen bezahlen muss. Hierfür ist in den ersten zwei, drei Monaten einiges an Geld draufgegangen (lacht). Aber auch sportlich war es eine große Umstellung. Das Niveau ist in Deutschland deutlich höher als in Slowenien.

Am Anfang ist viel Geld fürs Zuspätkommen draufgegangen.

Lara Prasnikar

Wie oft seht ihr eure Familien?

Martin:  Wenn ich zur Nationalmannschaft reise, haben wir in der Regel einen Tag frei. Dann fahre ich nach Hause. Außerdem besuche ich in der Winter- und Sommerpause meine Familie. Einige Male kamen sie aber auch schon nach Frankfurt zu Besuch.

Lara: Bei mir ist das genauso. Wir haben Glück, dass Slowenien klein ist und wir, wenn wir mit der Nationalmannschaft spielen, schnell mal nach Hause zu unserer Familie können. Aktuell besteht durch Corona leider nicht die Möglichkeit, dass meine Eltern herkommen, aber direkt nach meinem Wechsel nach Frankfurt im vergangenen Sommer waren sie schon einmal zu Besuch.

Wie seid ihr beiden zum Fußballspielen gekommen?

Martin: Ich habe mit vier Jahren angefangen zu spielen. Zuerst hat mich mein Vater trainiert, dann bin ich in eine Mannschaft gewechselt. Mein kleiner Bruder spielt jetzt auch Fußball – wir sind eine Fußballerfamilie. Trotzdem gab es nie Druck aus meiner Familie. Mein Vater war zwar auch Trainer, aber nicht so hochklassig wie Laras. Prašnikar ist ein großer Name in Slowenien, Bojan Prašnikar ist eine Legende.

Lara: Viele sagen, dass mir Fußballspielen in die Wiege gelegt wurde und tatsächlich gab es für mich immer nur Fußball. Ich habe, als ich jünger war, auch mal andere Sportarten wie Handball oder Leichtathletik ausprobiert, aber Fußball stand immer an erster Stelle. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Training: Es hat so stark geregnet, dass statt draußen in der Halle trainiert werden musste. Ich war so enttäuscht, dass ich meine Fußballschuhe nicht tragen konnte...

Martin hat es schon angesprochen: Dein Vater ist in Slowenien eine Trainerlegende. Hattest du dadurch besonderen Druck?

Lara: Mein Vater hat natürlich immer bei meinen Spielen zugeschaut. Früher fand ich das manchmal gar nicht so toll. Ich war gut und wir haben fast jedes Spiel gewonnen, aber er war trotzdem nie zufrieden. Dennoch bin ich mir sicher, dass mich diese Situation nur stärker gemacht hat. Heute spreche ich gerne mit ihm über Fußball und wir analysieren zusammen meine Spiele.

Bojan Prašnikar trainierte zwei Mal die slowenische Männernationalmannschaft, zwischen 2007 und 2009 war er Bundesligacoach bei Energie Cottbus. Zuletzt trainierte Laras Vater die erste Mannschaft von Olimpika Ljubjana, wo Martin vor seinem Wechsel zur Eintracht in der U19 spielte.

Lara, wie war der Re-Start für dich vergangenes Jahr bei Potsdam, bevor du nach Frankfurt gewechselt bist? Du hast durch eine Verletzung keine Spiele mehr für Potsdam absolvieren und dich nicht wirklich verabschieden können.

Lara: Ich hatte mich damals in Potsdam leider verletzt und einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zugezogen. Ich habe alles dafür getan, noch einmal für Turbine spielen zu können, aber es hat leider nicht gereicht. Im vergangenen Sommer habe ich mich dann auf Frankfurt fokussiert und die Sommerpause genutzt, um fitter zu werden. Zum Zeitpunkt meines Wechsels hatte ich immer noch Probleme, aber ich muss ein großes Kompliment an unsere Physiotherapeuten bei der Eintracht aussprechen, dass sie mich bis zum Saisonstart fit bekommen haben.

15 Treffer in 16 Spielen bis zur Verletzung und dem ersten Lockdown 2020 hatte Lara Prašnikar in der vergangenen Saison für den großen FFC-Rivalen Turbine Potsdam erzielt, wo drei slowenische Nationalmannschaftskolleginnen noch unter Vertrag stehen. Für die Eintracht erzielte Lara zuletzt den wichtigen 1:1-Ausgleich im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den SC Freiburg.

Du bist als eine von 22 Teammitgliedern im vergangenen Herbst bei der slowenischen Nationalmannschaft an Corona erkrankt. Wie waren die Erkrankung und die Zeit damals in der Quarantäne für dich?

Lara: Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade in einer guten Phase und habe mich nach meiner Verletzung immer besser gefühlt. Corona hatte mich dann wieder etwas zurückgeworfen. Entsprechend war ich unglücklich. Auf der anderen Seite hatte ich so die Möglichkeit, noch etwas länger zu Hause in Slowenien zu bleiben – zwar nicht bei meiner Familie, aber in der Umgebung. Ich hatte leider nicht nur leichte Symptome, aber jetzt nach vier Monaten bin ich glücklich, nichts mehr von der Erkrankung zu merken und mich wieder sehr gut zu fühlen.

Martin, wie erlebst du aktuell die Zeit im Lockdown, in der ihr mit der U19 keine Pflichtspiele absolvieren dürft?

Martin: Natürlich ist es schade, dass wir über vier Monate keine Spiele mehr bestreiten konnten. Aber wir waren in der privilegierten Lage, trainieren zu dürfen. Die Meisterschaftsspiele  werden zwar nach wie vor noch nicht fortgesetzt, aber ich freue mich sehr, dass wir seit wenigen Wochen wieder Testspiele haben. Ich habe außerdem noch einige Spiele mit der Nationalmannschaft gehabt.

Martin gilt in seiner Heimat als eines der größten slowenischen Talente und wurde schon früh für die Nationalmannschaft entdeckt. Seit der U15 im Jahr 2014 hat er alle Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen und führte sein Team oftmals mit der Kapitänsbinde aufs Feld. Aktuell zählt er zum Kader der U21 und ist mit seinen 18 Jahren der Jüngste im Team. Bis heute kommt Martin auf 47 Länderspiele und traf dabei sechs Mal.

Hast du in den letzten Monaten mal bei den Profis mittrainiert?

Martin: Ich habe schon drei, vier Mal bei den Profis mittrainieren dürfen. Luka Jovic, den ich bereits bei seinem ersten Vertrag in Frankfurt kennengelernt habe, hat direkt versucht, mich zu integrieren als ich noch niemanden kannte. Auch während seiner Zeit in Madrid, sind wir in Kontakt geblieben. Mittlerweile verstehe ich mich auch mit Filip und Ajdin [Kostic und Hrustic; Anm. d. Red.] richtig gut. Wir sind schon wie eine Familie.

Die slowenische Nationalmannschaft der Männer hat bereits an zwei Welt- und einer Europameisterschaft teilgenommen. Wann ist es denn bei den Frauen zum ersten Mal so weit?

Lara: Hoffentlich in zwei Jahren bei der WM. Im September startet die Qualifikation und ich bin sehr gespannt und optimistisch. Wenn wir etwas Glück haben und eine gute Gruppe bekommen, ist alles möglich. Die kommende Generation bei den Frauen ist sehr stark. Es wird mittlerweile in Slowenien sehr viel für den Frauenfußball getan. Es gibt jetzt zum Beispiel ein Fußball-Gymnasium für Frauen in Ljubljana. Ich bin mir sicher: The future is bright!

Mit 17 gab Lara vor sechs Jahren ihr Debüt die Nationalmannschaft Sloweniens, das erste Tor folgte ein halbes Jahr später. Mittlerweile hat die passionierte Klavierspielerin 22 Treffer in 36 Partien auf dem Konto (Stand Anfang April 2021).

Verfolgt ihr die Spiele des jeweils anderen?

Lara: Als Martin noch Meisterschaftsspiele hatte und Zuschauer zugelassen waren, habe ich diese verfolgt. Ich war auch einmal beim U19-Spiel gegen Mainz vor Ort. Es hat geregnet und war sehr kalt, aber ich bin trotzdem gekommen, um Martin zu supporten.

Martin: Ich konnte leider bisher noch nicht vor Ort dabei sein, aber sehe viele Spiele von Lara im Internet beziehungsweise im Stream.

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