22.06.2021
Verein

„Nicht nur Lebensmittel vorbeigebracht“

Christine Hertler zählte 15 Monate zu den Mitgliedern, die von den Versorgungsfahrten mit Lebensmitteln beliefert wurden. Jetzt kann sie sich wieder selbst versorgen – und wird einiges vermissen.

Für den jahrzehntelangen Eintracht-Fan Christine Hertler kamen die Versorgungsfahrten ihres Lieblingsvereins wie gerufen. Die an Krebs erkrankte Frankfurterin hatte gerade ihre Chemotherapie beendet, da überrollte die Corona-Pandemie die Welt und sie konnte aufgrund der erhöhten Ansteckungsgefahr ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Über die Eintracht-Kanäle hatte sie von den Versorgungsfahrten mitbekommen und war glücklich über die Möglichkeit, wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt werden zu können. Zwar sei ihre Hausgemeinschaft ebenfalls mit Angeboten auf sie zugekommen, doch für die wöchentliche und vor allem monatelange Abhängigkeit nahm sie die Hilfe der Eintracht dankend an. Und so steuerten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fanabteilung jeden Donnerstag auch das Nordend an. Ein echtes Highlight in der Woche, wie sie erzählt, denn auch die sozialen Kontakte haben sehr darunter gelitten. „Wenn dann einmal die Woche jemand kommt, war das super“, sagt sie lachend.

Die wöchentlichen Schwätzchen werden ihr fehlen, denn nun ist nach über 15 Monaten Schluss. Christine kann sich dank der Corona-Schutzimpfung und sinkenden Inzidenzzahlen nun wieder selbst versorgen. Fluch und Segen zugleich, denn was einerseits viel Freiheit zurückgibt, sorgt auf der anderen Seite dafür, dass der regelmäßige Austausch rund um die Eintracht wieder wegfällt. „Das war jetzt doch ein fester Bestandteil meines Lebens. Es war total schön, Gelegenheit zu haben, sich auch ein bisschen zu unterhalten oder einander näher kennenzulernen.“ Als Dankeschön hat sie jede Woche einen Kuchen gebacken und möchte darüber hinaus noch etwas zurückgeben: „Da werde ich den passenden Weg finden.“

Das war eine große Erleichterung, sozusagen in den warmen, weichen Schoß der Eintracht-Familie zu fallen.

Christine Hertler

Die zweimalig Geimpfte ist froh, mittlerweile „wieder einen Schritt zurück in eine persönliche Freiheit“ machen zu können, erklärt sie. Auf die Frage, worauf sie sich in der kommenden Zeit am meisten freut, antwortet sie lächelnd: „Stadion wäre riesig!“ Dass in den letzten Monaten keine Zuschauer im Stadion zugelassen waren, machte auch Christine zu schaffen. „Ich konnte die Eintracht während der Corona-Zeit nicht im Fernsehen sehen“, sagt sie. „Dieser Hall im Stadion, wenn man auch jedes Wort der Leute auf dem Platz hören konnte – das konnte ich nicht mitansehen.“ Komplett verzichtet hat sie aber natürlich nicht und hat alle Spiele über EintrachtFM gehört. Die anstehende Europameisterschaft und die sinkenden Inzidenzzahlen machen Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität. „Als das Eröffnungsspiel von der EM war und man sah Menschen im Stadion, die gesungen haben, da bin ich in Tränen ausgebrochen“, sagt sie.

Seit 1974 regelmäßig im Stadion

Ihr größter Wunsch für den Bundesligastart im Herbst ist daher klar: „Bald wieder bei der Eintracht ins Stadion zu gehen, das wäre der Höhepunkt dieses Jahr.“ Der Deutsche Bank Park hat für sie eine ganz besondere Bedeutung. „Ich habe mich, solange es mir einigermaßen gut ging, auch während der Chemotherapie zu jedem Spiel geschleppt“, sagt sie und fügt mit belegter Stimme hinzu: „Das Stadion war selbst in den Phasen, in denen ich schwach war, immer der Punkt, wo ich hingehen konnte und diese ganzen Emotionen, mit denen ich vorher alleine zu Hause saß, zulassen konnte.“

Vor der Corona-Zeit war ihr Verhältnis zur Eintracht überwiegend durch den Fußball geprägt. Mittlerweile haben sich andere Dinge um diesen Mittelpunkt angeordnet. „Emotional betrachtet, fühle ich mich dem Verein durch die Versorgungshilfe noch näher,“ erklärt sie. Die Dankbarkeit in ihrer Stimme ist deutlich wahrzunehmen. „Und gerade in dieser Zeit zu wissen, dass da eine Familie ist, auf die ich mich verlassen kann und die mir in der Not hilft, das hat für mich das Verhältnis viel persönlicher und enger gemacht.“

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