30.11.2021
Klub

Morgens Uni, abends Europapokal

Er war der Mann hinter Jürgen Grabowski, der wenige Stunden vor einem Europapokalspiel eine Prüfung absolvierte. Peter Reichel, 286-facher Adlerträger und doppelter Pokalsieger, wird 70!

Es geht ihm aktuell gut, seinem Alter entsprechend sei er sehr zufrieden. „In dieser Coronapandemie geht es mir so bescheiden, wie allen anderen auch. Ich möchte mit meinen Enkeln viel unternehmen, aber natürlich schränken auch wir uns ein“, erzählt Peter Reichel bei seinem Besuch im Eintracht Frankfurt Museum am Tag vor seinem Geburtstag. Dort ist Reichel immer noch gerne zu Gast. Schließlich hat er fast die kompletten glorreichen 1970er Jahre für die Adlerträger gespielt, wurde zwei Mal DFB-Pokalsieger und spielte international. Die aus heutiger Sicht verrückteste Anekdote: Reichel studierte nebenbei Lehramt und hatte in seinem Vertrag eine Klausel, dass er für Prüfungen freigestellt werden könne. Am Tag des Europapokalrückspiels war es mal wieder soweit. Trainer Dietrich Weise drückte ein Auge zu, Reichel durfte das Trainingslager verlassen. Am Abend traf er zum 1:0-Sieg gegen Atlético Madrid. Das war im November 1975, die Eintracht hatte eine bärenstarke Mannschaft. Neuberger, Körbel, Hölzenbein, Grabowski und Nickel gehörten zu Reichels Teamkollegen.

Angefangen hatte es für Peter Reichel rund fünf Jahre zuvor, als er vom VfB Gießen aus Mittelhessen an den Main wechselte. In seiner ersten kompletten Saison 1970/71 spielte die Eintracht gegen den Abstieg. Der 18-jährige Reichel musterte sich schnell zum Stammspieler. Doch Trainer Erich Ribbeck – damals übrigens der jüngste amtierende Bundesligatrainer – gab ihm die Chance, sein Können unter Beweis zu stellen. Peter Reichel prägte gemeinsam mit Grabowski und Co. eine Frankfurter Mannschaft, die um Titel mitspielte. Reichel sah sich selbst als sehr ehrgeizigen Spieler und beschreibt es als „etwas ganz Spezielles, das Trikot der Eintracht zu tragen.“ Seine damalige Spielweise vergleicht er mit der heutigen, offensiven Spielart eines Außenspielers – und genau diese half seiner Mannschaft ungemein, und er hielt dem zumeist noch weiter vorne agierenden Jürgen Grabowski den Rücken frei.

Reichel unterrichtet Andreas Möller

Dietrich Weise, der ihm viel ermöglichte, war für Reichel „als Trainer und als Mensch der Idealfall“, besonders durch die Unterstützung seines Lehramtsstudiums, welches der gebürtige Gießener neben seiner Karriere als Profifußballer absolvierte. Lehrer zu werden, dass sei immer sein Plan B gewesen. „Denn die Garantie, dass die Karriere als Profifußballer klappt, kann einem niemand geben“, erzählt er. Über den guten Verlauf seiner Laufbahn freut sich das Geburtstagskind auch noch heute. Mit 29 Jahren beendete Reichel seine Karriere als Profifußballer, spielte anschließend noch im Amateurbereich für die Eintracht. Dank seines abgeschlossenen Studiums wechselte er in den Lehrberuf unterrichtete über 38 Jahre die Fächer Mathe und Sport. Auch nach seiner aktiven Zeit als Fußballer ließ dieser Reichel nie ganz los. Zwei Jahre lang unterrichtete er einen Schüler, der später einmal selbst einer der ganz Großen bei der Eintracht werden sollte: Andreas Möller. „Da hatten wir natürlich eine starke Schulmannschaft“, lacht Reichel.

Reichel spielte in guten und schlechten Zeiten für die Frankfurter Eintracht und gab dabei stets alles. Und genau das hat er von den Fans zurückbekommen. „Wenn der Funke zwischen Spielern und Fans überspringt, ist es etwas sehr Positives. Aber der Funke kann nur vom Feld auf den Rang überspringen, nicht andersherum“, sagt er und deutet damit den Verbund zwischen Fans und Spielern an. Und allgemein, findet er, habe der Fußball einen atemberaubenden Stellenwert in der Gesellschaft bekommen. 

Eintracht Frankfurt wünscht dem Geburtstagskind viel Glück und Gesundheit!

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