30.12.2020
Mitgliedschaft

„Mein erster Stadionbesuch hat mich gefesselt!“

Wenn Stefan Misterek aus seiner Wahlheimat, den USA, nach Deutschland reist, dann muss es sich lohnen. Bedeutet: So viel Eintracht aufsaugen, wie nur möglich.

Im Januar besuchte das in den USA lebende Mitglied Stefan Misterek den Riederwald.

Rund 6.500 Kilometer und sechs Zeitzonen trennen Stefan Misterek von seiner ehemaligen Heimat Frankfurt und gleichzeitig von seinem Herzensklub. Mit seiner Frau lebt Misterek bereits seit 2010 an verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten. Er komme viel rum, wie er selbst sagt, das sei schon immer so gewesen. Geboren und aufgewachsen ist er nämlich nicht am Main, sondern an der Elbe in Hamburg. In der Hansestadt ging er zur Schule und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Bankkaufmann mit dem Schwerpunkt Wertpapiergeschäft. Früh stellte das Zahlengenie fest, dass eine berufliche Laufbahn in der Finanzbranche eingeschlagen werden soll. Und in welche deutsche Stadt zieht es einen aufstrebenden Bankkaufmann am ehesten? „Das Ziel war klar, ich wollte schnellstmöglich in die Bankenmetropole. Unmittelbar nach Beendigung der Ausbildung habe ich mich in den Zug gesetzt und bin nach Frankfurt gefahren“, so Misterek, der ergänzt: „Dort angekommen habe ich auch schon direkt meinen ersten Job in der Taunusanlage begonnen.“

Mit Fußball und dementsprechend auch mit der Eintracht hatte er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu viel zu tun. In der Schule habe er natürlich ab und an gekickt, aber nie in einem Verein. Ein anderer Rasensport hatte es ihm dagegen schon früh angetan – und das schon, als der Sport in Deutschland quasi noch so gut wie keine Aufmerksamkeit genoss: American Football. So schaute er sich die Spiele der NFL Europe an, dem europäischen Ableger der National Football League (NFL), ehe der Spielbetrieb schließlich eingestellt wurde. Sein Bezug zum Fußball und zu Eintracht Frankfurt änderte sich an einem Tag vor rund 15 Jahren schlagartig. „Es müsste ein Heimspiel der Saison 2005/06 gewesen sein, ein Kumpel hat mich damals mit ins Stadion genommen.“ Auch wenn sich Misterek nicht mehr an die genaue Spielpaarung und das Ergebnis erinnert, so sind andere Bilder tief in seinem Gedächtnis verankert. „Ich wusste, dass die Eintracht zu diesem Zeitpunkt im unteren Tabellendrittel angesiedelt war. Aber was die Fans – ungeachtet der sportlichen Situation – im Stadion veranstaltet haben, das war der Wahnsinn. Die Atmosphäre, die wackelnden Tribünen, die Lautstärke – das hat mich gefesselt.“ Von da an war es um ihn geschehen: Infiziert mit dem Eintracht-Virus!

Im Januar besuchte Stefan Misterek noch den Heimsieg gegen Leipzig, nun muss er vorerst auf die Reisen an den Stadtwald verzichten.

In der Folge besorgte sich der Neu-Adler zunächst vereinzelt Tickets zu ausgewählten Spielen, 2007 wurde er erstmals Mitglied „seiner“ Eintracht. Als Sahnehäubchen übernahm er zur Saison 2008/09 zwei Dauerkarten eines Kollegen – das volle Programm. Parallel machten sich beim gebürtigen Hamburger und seiner Frau jedoch Pläne breit, wonach sie ihre gemeinsame Zukunft „im Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ sehen. Durch frühere Reisen in die USA und das große Interesse am American Football entstand bei Stefan Misterek bereits früh eine Verbindung zu den Vereinigten Staaten – und Jobs im Finanzwesen gibt es dort drüben schließlich auch. Im Jahre 2010, also im Alter von 36 Jahren, wurde aus dem Traum Realität und die Mistereks siedelten sich zunächst an der Space Coast im US-Bundesstaat Florida an. „Dort konnten wir sogar noch bemannte Raketen von der Cape Canaveral Air Force Station aufsteigen sehen, das war schon sehr beeindruckend.“

Eintracht-Liebe neu entflammt

Auch wenn damit ein großer Wunsch in Erfüllung ging, brachte die Auswanderung nicht nur Vorteile mit sich. Vor allem darunter gelitten hat nämlich die erst neu entdeckte Liebe zur Diva vom Main. Seine Dauerkarten überließ er schweren Herzens einem Kollegen, auch die Mitgliedschaft ließ Misterek vorerst ruhen. Zur Distanz erschwerend hinzu kam, dass weder „Fußball-Bundesliga“ noch „Eintracht Frankfurt“, gängige Begriffe im amerikanischen Wortschatz waren. „Als wir 2010 ausgewandert sind, war Fußball hier allerhöchstens eine Nischensportart. Der Fokus lag – und liegt natürlich heute immer noch – auf American Football, Baseball, Basketball und Eishockey“, so Misterek, der dementsprechend Probleme hatte, das Geschehen im Stadtwald überhaupt zu verfolgen: „Es war beinahe unmöglich, Spiele anzuschauen. Nicht nur aufgrund der Zeitverschiebung, sondern weil anfangs nur selten Spiele der deutschen Bundesliga übertragen wurden.“ Seit rund drei Jahren, stellt er fest, habe sich das aber grundlegend geändert. „Mittlerweile ist das Angebot gewachsen, es gibt nun Streaming-Dienste, die nahezu jedes Spiel übertragen. Seitdem bin auch meiner Eintracht wieder gedanklich viel, viel näher.“ So viel näher, dass sich der Adlerträger 2018 dazu entschieden hat, wieder in den Verein einzutreten. Darüber hinaus pflegt er regelmäßigen Kontakt zum EFC Austin, die Liebe zur Eintracht ist, auch aufgrund neu geschaffener Möglichkeiten in seiner Heimat, neu entflammt.

Mittlerweile lebt der heute 47-Jährige mit seiner Frau in Washington DC, der Hauptstadt der USA. Auch wenn er dort ab und an ein Football-Spiel des Washington Football Teams verfolgen kann, ist die Lust auf einen Besuch einer Bundesliga-Partie lange nicht gestillt. „So habe ich mir nun zum Ziel gesetzt, mir jedes Jahr mindestens eine Partie in unserem Stadion anzuschauen.“ Ende Januar war es dann soweit: Heimspiel, zu Gast war der damalige Tabellenführer aus Leipzig. „Was soll ich sagen? Es war ein überragender Sieg mit einer unnachahmlichen Atmosphäre“, schwärmt er. Und weil sich der viertägige Kurztrip auch lohnen muss, besuchte er tags darauf die diesjährige Mitgliederversammlung am Riederwald. „Das war auch eine klasse Veranstaltung. Es ist beeindruckend zu sehen, wie unser Verein wächst und wächst.“ So kann er sich zumindest nicht nachsagen lassen, sich für die Reise nach Deutschland das „falsche Wochenende“ ausgesucht zu haben. Mit Wehmut, aber schönen Erinnerungen im Gepäck, trat Stefan Misterek dann wieder die Heimreise an. Rund 6.500 Kilometer trennen ihn aktuell wieder von seinem Herzensklub - und eine Reise zu eine Heimspiel scheint dezeit ferner denn je. Aber wenn die Eintracht am Wochenende, oder auch unter der Woche, den Rasen betritt, dann sitzt der USAdlerträger wieder am Frühstückstisch vor dem Bildschirm und fiebert mit – so lange, bis er irgednwann den nächsten Kurztrip zu seinem Herzensverein unternehmen kann.

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