08.07.2021
Verein

Klare Kante, starke Werte

Vereinspräsident Peter Fischer sprach bei der Jüdischen Gemeinde über Antisemitismus im Sport, die potenzielle Vorbildfunktion von Sportvereinen und nötige Konsequenz im Umgang mit Hass.

Auf die Frage, warum er sich so stark gegen Antisemitismus engagiere, reagierte Peter Fischer prompt mit einer Gegenfrage: „Gibt es ein Argument, sich nicht dafür zu engagieren?“ Eine bewusste Entscheidung sei das für ihn nämlich nie gewesen. „Ich bin mit jüdischen Mädchen und Jungen in meinem Alter in Frankfurt aufgewachsen – sowohl auf als auch neben dem Platz. Für mich war das Miteinander immer schon absolut selbstverständlich und jede Form von Ausgrenzung unvorstellbar.“

Und doch sei er sich bewusst, dass eben jene Ausgrenzung für viele Jüdinnen und Juden auch heute noch zur Lebensrealität dazugehöre. Bei einem Podiumsgespräch im Rahmen des von der Deutschen Gesellschaft und Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main organisierten Regionalforums zum Thema „Jüdische Vielfalt in Deutschland“ machte der Präsident von Eintracht Frankfurt deshalb nicht nur seine eigene Überzeugung deutlich, sondern sprach auch über die Wichtigkeit, die der Sport im Kampf gegen Antisemitismus einnehmen kann.

„Zu viele Wegducker in der Branche“

„Vereinsmitglied von Eintracht Frankfurt zu sein, bedeutet auch, ein klares politisches Zeichen zu setzen und nicht nur, einen Vertrag zu unterschreiben“, erläuterte Peter Fischer. Und zwar ein klares Zeichen gegen jegliche Form von Diskriminierung. „Antisemitismus, Rassismus und Homophobie gehören zu den schlimmsten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann“, so der Präsident deutlich. „Das ist in der DNA von Eintracht Frankfurt verankert und dafür steht der Verein mit seinen rund 91.000 Mitgliedern.“

Mit dieser Überzeugung wolle sich der Verein nicht rühmen, sondern vielmehr andere Vereine und Organisationen animieren und motivieren, selbst aktiv zu werden. „Unsere klare Kante darf kein Alleinstellungsmerkmal sein, sondern soll anderen zeigen, dass der Sport die Chance hat, aktiv etwas gegen Ausgrenzung zu tun“, erklärte Peter Fischer. Dafür reiche es nicht, mal ein Fähnchen oder ein Banner aufzuhängen, oder auch eine gute Erinnerungskultur zu haben. Stattdessen gehe es darum, sich den heutigen Aufgaben zu stellen und vor der aktuell stattfindenden Diskriminierung in der Gesellschaft nicht die Augen zu verschließen. „Es gibt in der Branche immer noch jede Menge Wegducker, die lieber andere machen lassen – aber das reicht nicht!“

Klare Kante und Konsequenz im Umgang mit Hass

Einen Mitstreiter fand Peter Fischer in der Podiumsdiskussion vor allem mit Alon Meyer, Präsident von MAKKABI Deutschland, der Antisemitismus in seinem Verein immer wieder beobachten und am eigenen Leib erfahren muss. „Wir erleben schon seit einiger Zeit, dass antisemitische Angriffe zunehmen und die Hemmschwelle sinkt“, erklärte Alon Meyer. Das reiche so weit, dass er selbst Angst habe, in manchen Stadtteilen mit einem Makkabi-Trikot herumzulaufen und auch seinen Sportlern davon abrate. „Jedes Mitglied muss sich der Gefahr, der er sich mit einem Eintritt bei uns aussetzt, bewusst machen – das ist traurig.“ Umso mehr freue es ihn, dass die Mitgliederzahlen seit Jahren stiegen und sich darunter auch immer mehr Christen und Muslime fänden, die den Davidstern stolz auf ihrem Trikot tragen. „Wir wollen den Sport positiv gegen Antisemitismus gebrauchen – genauso wie Eintracht Frankfurt“, zog Alon Meyer die Parallele zu Peter Fischer.

Bei uns gibt es keinen Plan B und auch keine Toleranz, wenn es darum geht, gegen Hass und Ausgrenzung vorzugehen.

Damit auf Worte auch Taten folgen und gerade in Stadien, in denen sich durchaus antisemitische Stimmen im Kollektiv versteckten, Hass keinen Platz bekomme, habe die Eintracht eine klare Vorgehensweise, erklärte Peter Fischer. Und die heiße: Konsequenz. „Bei uns gibt es keinen Plan B und auch keine Toleranz, wenn es darum geht, gegen Hass und Ausgrenzung vorzugehen.“ Das gelte auf der Tribüne, aber auch auf dem Platz. Denn auch hier gelte: „Werte schlagen immer einen guten linken Fuß.“ 

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