06.10.2020
Mitgliedschaft

„Eintracht-Botschafter“ in Luxemburg

Er hat dafür gesorgt, dass Luxemburg ein bisschen schwarz-weiß-roter geworden ist. Rainer Börner ist seit 50 Jahren Eintracht-Fan und reist aus dem Nachbarland zu fast jedem Heimspiel an.

Ein Spieltag beginnt bei Rainer Börner vor dem Spiegel. „Morgens frage ich mein Spiegelbild, ob ich ins Stadion fahren soll oder nicht“, erzählt er und gibt gleich darauf augenzwinkernd zu: „Meistens nickt es.“ Dann heißt es für den 61-Jährigen ab ins Auto für die rund zweieinhalbstündige Fahrt in den Frankfurter Stadtwald. „Mittlerweile kenne ich jedes Schild auf der Autobahn auswendig“, sagt er. Trotzdem wird er als Vollblut-Adlerträger nicht müde, die Strecke über die Grenze von Luxemburg bis nach Frankfurt auf sich zu nehmen. Auch wenn die Fahrt in den mittlerweile über 30 Jahren seit seiner ‚Auswanderung‘ nicht immer ohne Hindernisse verlief. „Auf der Fahrt zum Heimspiel gegen den MSV Duisburg am 16. März 2006 hatten wir kurz vor Frankfurt einen Platten“, erinnert er sich. Die Zeit verrann, während er weder den Reifen abbekam, noch der Pannendienst kam. „Irgendwann habe ich vor Zorn alle Kräfte gebündelt“, erzählt er – und tatsächlich: Der Reifen ging ab. „Allerdings sind wir erst eine Stunde nach Anpfiff ins Stadion gekommen.“ Vom 5:2 hatte er bis auf das letzte Tor alle Treffer nur übers Radio mitbekommen. Die Konsequenz: „Montags bin ich sofort aus dem ADAC ausgetreten.“

Von Kelsterbach in den Stadtwald

Der Eintracht aber ist Rainer in guten wie in schlechten Tagen stets treu geblieben – und das seit nunmehr 50 Jahren. Die Liebe begann bei ihm, wie bei so vielen, mit dem ersten Stadionbesuch. „Es war 1970 das Spiel gegen den VfB Stuttgart“, erinnert er sich noch genau, „Die Eintracht hat 4:0 gewonnen und Horst Heese hat drei Tore geschossen.“ Damals lebte er als Jugendlicher in Kelsterbach, mit dem Fahrrad eine halbe Stunde vom Waldstadion entfernt und zog bis dahin lieber selbst die Fußballschuhe an. Mit zehn Jahren begann Rainer bei Viktoria Kelsterbach zu spielen und schaffte es in die Kreis- und Hessenauswahl. 1974 wechselte er dann als B-Jugendlicher zur Eintracht, ein Jahr spielte er auch für die A-Junioren. „Ich habe aber relativ schnell erkannt, dass es zum Profi nicht reicht“, gibt er zu. Auf die Zeit als Spieler bei der Eintracht, in der er unter anderem mit Roland Borchert und Wolfgang Trapp zusammenspielte, schaut er aber trotzdem gerne zurück.

Einige Jahre später hängte er die Fußballschuhe dann an den Nagel. „Mit der Geburt meiner beiden Töchter und meiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank hat sich der Fokus verschoben“, berichtet er. Die Eintracht blieb aber in seinem Herzen, auch als er 1989 das Angebot der Bank annahm, seine Karriere in Luxemburg weiterzuführen. Denn statt den Adler zurückzulassen, nahm er ihn einfach mit und sorgte dafür, dass bald sehr viel mehr Luxemburger den Frankfurter Verein kennen sollten. Nachdem sein Sohn Felix einige Jahre mit seinem Freund Gary im Sommer die Fußballschule in Frankfurt besucht hatte, hatten die beiden Väter Rainer Börner und Raymond Kolkes, beide engagiert in der Jugendkommission des Luxemburger Erstligisten Etzella Ettelbrück, eine Idee: Warum die Fußballschule nicht einfach nach Luxemburg holen? Beim Vorstand von Etzella und dem Leiter der Fußballschule Charly Körbel stießen sie sofort auf offene Ohren. Und so konnten dank ihrem Einsatz von 2007 bis 2011 hunderte Kinder in Luxemburg im Fußballcamp der Eintracht die Freude am Fußballspielen teilen. Und die neu gewonnenen Eintracht-Fans bekamen auch gleich eine Anlaufstelle: den von Rainer mitbegründeten Eintracht Fanclub EFC Lëtzebuerg.

Eine Eintracht-verrückte Familie

Mittlerweile umfasst der offizielle Fanclub 35 in Luxemburg lebende Eintracht-Anhänger, die man auch hin und wieder im Deutsche Bank Park trifft. „Zu den Spielen gegen Dortmund, Bayern und zum letzten Heimspiel fahren wir immer gemeinsam mit dem Bus nach Frankfurt“, erzählt Rainer. Auch ansonsten fahren sie regelmäßig zu Heim- und Auswärtsspielen – allen voran natürlich Rainer Börner. Und das nicht alleine: „Wir haben seit vielen Jahren vier Dauerkarten in der Familie“, sagt der 61-jährige Rentner, der es durchaus zu schätzen weiß, neben seinen drei Kindern auch mit seiner Frau Karin eine Adlerträgerin in der Familie zu haben: „Ich habe großes Glück, eine Frau zu haben, die diese Leidenschaft so mit mir teilt.“ Sie kann ihm deshalb auch ein wenig auf die Sprünge helfen, wenn es darum geht, sich an all die unvergesslichen Momente der mittlerweile 45-jährigen Mitgliedschaft zu erinnern.

Zum Beispiel als der Kelsterbacher 1974/75 als Balljunge ganz nah rankam an die Eintracht-Profis. Oder als er beim Pokalendspiel 1975 gegen den MSV Duisburg mit der B-Jugend im Vorspiel selbst auf dem Rasen stehen durfte. Mit einem Lächeln denkt Rainer auch an so manches Europacup-Spiel zurück. „1994 bin ich im Fanflugzeug mit nach Neapel gereist“, erinnert er sich. „Das waren noch ganz andere Zeiten, damals sind vielleicht 800 Fans mitgereist.“ Doch natürlich war er auch unter den Zehntausenden in Bordeaux und Mailand und gelangte dank Luxemburger Connection auch an so manche schwer zu ergatternde neutrale Karte in der vergangenen Europa-League-Saison. Man könnte also meinen, dass Rainer schon alles miterlebt hat. Und trotzdem ist Wünschen natürlich weiter erlaubt. „Der Gewinn einer Deutschen Meisterschaft ist unrealistisch“, gibt er zu, „aber ein weiteres Pokalfinale wäre schön oder vielleicht noch so eine Europa-League-Saison wie im letzten Jahr.“ Auf jeden Fall wolle er aber keinen Abstieg mehr erleben, denn als langjähriges Mitglied weiß er: „So ein Abstieg tut doch verdammt weh.“

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