16.12.2020
Verein

„Ein Stück Heimat“

Die dritte Adventswoche steht bei Eintracht Frankfurt im Zeichen der Nähe. Ein Gastbeitrag von Moderator und Eintracht-Fan Etienne Gardé.

Liebe Eintracht-Familie,

ich bin im Marien-Krankenhaus im schönen Frankfurter Nordend geboren. Keine 500 Meter davon entfernt bin ich aufgewachsen. Ich bin das, was man gemeinhin einen Frankfurter Bub nennt. Wenn man als Kind also mitten in dieser Stadt groß wird, gibt es gewisse Dinge, die unausweichlich sind. Dieses Temperament, das in der ganzen Stadt zu pulsieren scheint. Multikulti. Hochhäuser. Banken. Äppler. Eintracht Frankfurt.

Die Eintracht ist in Frankfurt omnipräsent. Oft sind es nur kleine Hinweise. Ein Wimpel hier. Ein Trikot da. Fotos. Bilder. Unterschriebene Bälle. Der Adler, das Wappen, die Flaggen. Aufkleber an Autos, auf öffentlichen Toiletten. Graffitis, Tags. Fans. Du kannst eigentlich nicht durch die Stadt gehen, ohne nicht irgendwie mit der Eintracht konfrontiert zu werden. Aber es ist auch ein Gefühl.

Wenn die Eintracht erfolgreich spielt, blüht die ganze Stadt auf. „Willst du einen Frankfurter lachen sehen, muss die Eintracht oben stehen“ haben sie bei uns immer gesagt. Wer es nicht glaubt, möge sich die Bilder in Frankfurt nach dem Pokalsieg 2018 ansehen. Ich glaube, das erklärt sich von selbst. In schwierigen Zeiten dagegen liegt eine Schwere auf der Stadt, die sich kaum beschreiben lässt. Die Brötchen schmecken nicht mehr so gut, die Bahn fährt langsamer und das Wetter ist schlechter.

Als ich noch ganz klein war, turnte ich bei der Eintracht im Oeder Weg. Als Jugendlicher spielte ich bei der Eintracht Basketball. Ich war auch Fan der Eishockey-Abteilung und stand mit Dauerkarte jeden Freitag und Sonntag in der Eissporthalle. Am Radio verfolgte ich die Spiele der Eintracht auf dem grünen Rasen. Ich konnte es kaum erwarten, Bilder davon in der Sportschau zu sehen. Je älter ich wurde, desto häufiger ging ich ins Stadion. Ich sah noch Anthony Yeboah Pässe von Uwe Bein verwandeln. Ich sah Jay-Jay Okocha tricksen und ich war am Boden zerstört, als Ralf Weber der Elfmeter verweigert wurde. Und ich war im Waldstadion, als Jan Aage Fjörtoft mit einem Übersteiger den Klassenerhalt sicherte.

Mit Anfang 20 zog ich aus Frankfurt weg. Ich hatte die Chance, meinen Traum als Moderator zu arbeiten, zu verwirklichen. Dafür musste ich meine Heimat verlassen. Das ist jetzt 20 Jahre her. Ich bin immer noch Exil-Frankfurter. Meine Familie und viele Freunde leben größtenteils noch in Frankfurt und ich versuche oft „nach Hause“ zu kommen. Aber die meiste Zeit beobachte ich alles aus der Ferne.

Die Eintracht spielt auch heute eine große Rolle in meinem Leben. Nicht nur, weil ich, seit ich denken kann, Fan von ihr bin, sondern weil sie für mich wie eine Verbindung in meine Heimat ist. Sie ist mein stetiger Begleiter. Durch sie bin ich immer informiert, was in der Stadt passiert. Sie ist das Gesprächsthema Nummer 1 mit Freunden und Familie. Sie ist für mich ein Stück Heimat, egal wo ich bin. Die Eintracht ist trotz meiner Entfernung die Nähe, die ich brauche. Ohne sie würde mir im Leben etwas fehlen. Es zeigt mir, dass Nähe auch ein Gefühl sein kann. Und gerade in diesen Zeiten, wo gelebte Nähe ein seltenes Gut geworden ist, ist es wichtig, dass wir nicht vergessen, wo wir herkommen und wo wir uns zuhause fühlen. Das kann eine Stadt sein. Ein Mensch. Ein Verein.

Liebe Eintracht-Familie, ich wünsche euch frohe Feiertage. Bleibt gesund, damit wir uns bald im Stadion wieder in die Arme fallen können.

Euer Etienne Gardé

Moderator und Eintracht-Fan

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