08.03.2021
Verein

122 Jahre Eintracht Frankfurt

An dieser Stelle kommen nach und nach sämtliche Vereinsgründer unter die Lupe. Eine Suche nach den Menschen, die diesen Verein einst aus der Taufe gehoben haben.

Läuft man vom Hauptbahnhof Richtung Messe, kommt man durch die Düsseldorfer Straße. Hier, im damaligen Haus Nummer 14, fand die wohl wichtigste Versammlung der Vereinsgeschichte statt. Die Gründungsversammlung. Zum Einstieg zunächst ein Zitat aus einem Manuskript mit Erinnerungen von Eintracht-Urgestein Michael Pickel, welches er 1924 angefertigt hat. Wichtig zum Verständnis: Die Düsseldorfer Straße hatte 1899 noch einen anderen Namen, sie hieß Hohenzollernstraße. Und so ging sie vonstatten, die Gründung der Eintracht, die eigentlich aus zwei Akten besteht. Dem Entschluss, einen Verein zu gründen, der ein Mal Deutscher Meister wird, und der darauffolgenden Tat:

„Meinungsverschiedenheiten innerhalb des F.F.C. ‚Germania‘ 1894, und zwar zwischen dem damaligen Vorsitzenden Albert Pohlenk und den gleichgesinnten Seelen Alb. Gerhardt, Emil Müller, Hans Schnug & L. Heil einerseits und den Fussball-Koryphäen I. K. Roth, M. Fritz Seidenfaden andererseits, führten in der Frühjahrshauptversammlung der ‚Germania‘ zum Austritt der ersterwähnten fünf Leute, die ‚im gerechten Zorn‘ sofort die Wallstatt der letzten Redeschlacht verließen. Erster und einziger Gedanke dieser winzigen Schar war die Gründung eines neuen Vereins und Pohlenk konnte seinen Jüngern unter nächtigem Himmel eine erste Standpauke halten, in der er auf die Schwierigkeiten hinwies, die mit der Schaffung und dem Aufbau des Vereins verbunden waren. Darauf zogen diese Mannen in die Wirtschaft des Vaters von Emil Müller, Hohenzollernstr. 14, wo sie sich, ermutigt durch einige Stammtischgäste, über die Gründung des neuen Vereins unter dem Namen Frankfurter Fußballklub ‚Victoria‘ einig wurden. Einige Tage später fand die Gründungsversammlung statt.“

Niederschrift aus den Tagen der Vereinsgründung.

Dass die Victoria gegründet wurde, weil es innerhalb der Germania, Frankfurts ältestem Fußballverein, zu Unstimmigkeiten kam, ist bekannt. Es waren aber weitere Details herauszufinden und weitere Orte zu benennen. Das Vereinslokal der Germania war 1899 das Café zur Oper. Hier fand vermutlich die besagte Frühjahrshauptversammlung statt. Albert Pohlenk und die anderen Abtrünnigen mussten also stinksauer vom Opernplatz bis zur Hohenzollernstraße laufen, das sind circa 1200 Meter. Die genaue Wegeführung ist nicht mehr zu eruieren, aber es bot sich an, über die Taunusanlage und die Mainzer Landstraße zu marschieren. Wo die Standpauke stattfand, ist auch nicht überliefert.

Rätsel um Müller im Friedrichshof 1899

Jedenfalls landete die wütende Truppe in der Gaststätte Friedrichshof. Die wurde von F. C. Müller betrieben. Das F. C. stand für Friedrich Carl, und der war der Papa des Mitbegründers Emil Müller. Bei der Gründung des Vereins am 8. März 1899 wurde Emil Müller zum Kassierer gewählt, Papa F. C. Müller trat, wie der Gründungsurkunde zu entnehmen ist, als der erste Sponsor der Vereinsgeschichte auf: Ihm wurde „ein Salamander gerieben für die Stiftung des Balles“, ein studentisches Ritual der akademischen Trinkkultur. Wichtig noch: „Als Spielfarbe wurde schwarz-weiss-rot gewählt, ferner, dass in roter Blouse, weissem Gürtel und schwarzer Hose gespielt wird.“ In der Gründungsurkunde vom 8. März sind folgende Namen vermerkt: Links: Ludwig Heil, Albert Reik, Albert Bernhard, Carl Kaufmann, Gust. Diebold, F. C. Müller, E. Lichtenberg, W. Riese, rechts:  Alb. Pohlenk, Carl Hefslöth, Carl Trolliet, W.C. Seubert, H. Schmidt, H. Schnug, E. Müller.

Die Geschichte von Albert Pohlenk, der zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde, ist bekannt. Pohlenk spielte im ersten Spiel, er war der erste Vorsitzende des Vereins und blieb der Eintracht bis zu seinem Tod 1948 verbunden. Die Begeisterung hat er weitergegeben, sein Urenkel Bastel hat eine Dauerkarte und ist in einem Eintracht-Fanclub aktiv.

SGE SUCHT: Zum 122. Geburtstag

Was aus den anderen Gründern wurde, soll sich in den nächsten Tagen mit Hilfe aller Eintracht-Fans klären. Walter Engel aus Westfalen hat sämtliche Namen in den Adressbüchern von Frankfurt abgeglichen und Spuren gefunden. Dafür ein herzliches Dankeschön! Bis zum Jahrestag des ersten Spiels gegen den Bockenheimer FC 1899 am 19. März wird jeder Vereinsgründer vorgestellt sein. Je mehr von der Spurensuche erfahren, desto besser natürlich – also gerne weitersagen und teilen!

Den Anfang machen am 122. Geburtstag von Eintracht Frankfurt zwei Namen.

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